Ebenso wie bei anderen Kulturnationen,
gibt es bei den Juden traditionelle Musik und Kunstmusik.
Man kennt jüdische traditionelle Musik: jiddische
und sephardische Lieder und vor allem Klezmer, diese einzigartige
Instrumentalfolklore der osteuropäischen Juden.
Der älteste und authentischste Teil jüdischer Musiktradition
ist jedoch die Synagogenmusik. Sie basiert auf Motiven, die vermutlich
zweieinhalb Jahrtausende alt sind - sie wurden schon im Zweiten Tempel
in Jerusalem gesungen. Noch heute werden mit diesen Motiven, den sonannten Tropen,
Texte der Heiligen Schrift vorgetragen.
Die Existenz jüdischer Kunstmusik
wird dagegen auf Grund verschiedener Missverständnisse in Zweifel gezogen. So galten
früher Werke von Komponisten jüdischer Abstammung wie Mendelssohn,
Meyerbeer oder Mahler als "jüdische Musik". Man glaubte, dass allein die
ethnische Herkunft des Komponisten seine Werke irgendwie prägen würde. Es gibt jedoch bei den - meist
assimilierten und getauften - jüdischen Komponisten des 19. Jahrhunderts keine
speziell jüdischen stilistischen Merkmale.
Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts
begannen jüdische Komponisten, sich für die Quellen jüdischer Musik zu interessieren.
Das Zentrum der jüdischen nationalen Bewegung in der Musik wurde Russland.
Diese Bewegung war Teil einer jüdischen kulturellen Renaissance, die
auch die Verbreitung der zionistischen Ideen förderte.
Ein neues nationales Selbstbewusstsein bestimmte damals das russisch-jüdische
Kulturklima, in dem die Neue Jüdische Schule entstand.
Diese Schule entwickelte zum ersten Mal in der Musikgeschichte einen jüdischen
Stil in der Kunstmusik, der Elemente ostjüdischer Folklore und liturgischer Musik enthielt.